Quelle (Originalarbeit)
Niemelä M, et al. (2023). Pet and owner personality and mental wellbeing associate with attachment to cats and dogs. iScience. https://doi.org/10.1016/j.isci.2023.108423
Dieser Artikel ist Open Access und unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung (CC BY) verfügbar. Sie dürfen ihn bei angemessener Quellenangabe teilen und wiederverwenden.
1. Was fragte die Forschung?
Wir können unser Haustier als Familie oder Freund empfinden. Aber Menschen unterscheiden sich darin, wie sie sich binden—manche sind ängstlich, wenn das Tier außer Sicht ist, und wollen es nah bei sich; andere lieben das Tier, bevorzugen aber mehr emotionale Distanz. In der Psychologie spricht man vom „Bindungsstil.“ Diese Studie untersuchte, wie Persönlichkeit und psychisches Wohlbefinden des Halters sowie Persönlichkeit oder Verhalten des Tieres mit diesem Bindungstil zusammenhängen. Die zentrale Frage war: Variiert die Mensch–Haustier-Beziehung mit der Persönlichkeit und dem psychischen Zustand jedes Beteiligten?
2. Wie wurde die Studie durchgeführt?
Die Studie wurde in Finnland mit 2724 Haltern durchgeführt, die 2545 Hunde und 788 Katzen hatten. Die Halter wurden mit dem Big-Five-Persönlichkeitsmodell und psychischem Wohlbefinden erfasst. Beim Haustier wurden Soziabilität, Angst, Aggression und Problemverhalten sowie der Bindungstil des Halters (z. B. ängstlich vs. vermeidend) abgefragt. Die Forschenden nutzten Strukturgleichungsmodelle, um zu sehen, wie Persönlichkeit, Wohlbefinden und Bindung verbunden sind, einschließlich indirekter Pfade. Die Muster waren bei Hunden und Katzen ähnlich.
3. Was wurde gefunden?
Höherer Neurotizismus und geringeres Wohlbefinden gingen mit stärker ängstlicher Bindung an das Haustier einher. Als weniger sozial oder mit mehr Problemverhalten beschriebene Tiere gingen mit stärker vermeidender Bindung beim Halter einher. Die Beziehung war also nicht einseitig—sowohl Merkmale des Halters als auch des Tieres hingen mit der Art der Bindung zusammen.
4. Wie ist das zu verstehen?
Die Studie bewertet nicht, wer ein „besserer“ Halter ist. Sie zeigt, dass die Mensch–Haustier-Beziehung von der Persönlichkeit und dem emotionalen Zustand beider Seiten beeinflusst wird. Ängstliche Halter schauen vielleicht oft nach dem Tier und reagieren stark auf kleine Veränderungen; das kann Liebe sein, kann aber auch die Angst in der Beziehung verstärken. Wird das Tier als unabhängig oder schwierig gesehen, kann der Halter mit mehr emotionaler Distanz reagieren. Persönlichkeit und psychischer Zustand des Halters sowie das Verhalten des Tieres tragen alle zur Form der Bindung bei.
5. Limitationen
Es handelte sich um eine Querschnittsbefragung. Kausalität lässt sich nicht feststellen. Alle Informationen stammten von Halterangaben und können von objektiver Beobachtung oder klinischer Beurteilung abweichen.
6. Was wir mitnehmen können
Die Beziehung zu einem Haustier geht nicht nur um „wie sehr wir es lieben.“ Sie wird von Persönlichkeit, emotionalem Zustand, Lebensstil und den Eigenschaften des Tieres geprägt. Manche haben eine sehr enge Bindung, andere eine unabhängigere. Wichtig ist ein Gleichgewicht, das sich für beide stabil anfühlt. Über den eigenen Zustand und das Verhalten des Tieres nachzudenken kann ein Ausgangspunkt für eine gesündere Beziehung sein. Diese Studie hilft, die Mensch–Haustier-Beziehung als Interaktionssystem zu sehen.
Kurz gesagt
Persönlichkeit und psychisches Wohlbefinden des Halters sowie Persönlichkeit und Verhalten des Tieres hängen zusammen und prägen die Form der Bindung. Die Mensch–Haustier-Beziehung kann als von beiden Seiten aufgebaute emotionale Struktur gesehen werden. Über die Beziehung zum Haustier nachzudenken hängt also auch mit dem Verständnis von uns selbst zusammen.
Quelle (CC BY)
Niemelä M, et al. (2023). Pet and owner personality and mental wellbeing associate with attachment to cats and dogs. iScience. https://doi.org/10.1016/j.isci.2023.108423
© 2023 The Authors. Published under the Creative Commons Attribution License (CC BY).